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Uhugewölle und frittierte Sardinen

Uhugewölle und frittierte Sardinen

Hier habt Ihr ein paar Tiere – es ist Frühling (zumindest in der Wüste), und alle sind draußen und genießen das herrliche Wetter!

Es sind keine guten Fotos – den Kojoten habe ich einhändig fotografiert, während mich eine kräftige Dackelhündin die Straße entlang zerrte, weil sie unbedingt mit besagtem Kojoten Bekanntschaft schließen wollte –, und den jungen Rennkuckuck habe ich nachmittags über die Straße flitzen sehen, als ich auf dem Weg zum Tierarzt war, um besagte Dackelin von der Fellpflege abzuholen.

Die Dackelin selbst ist einfacher zu fotografieren, weil sie eine Anhängerin des Newton´schen Trägheitsgesetzes ist.

Für das letzte Foto war Lucys Hilfe nicht nötig. Viele von Euch werden sofort erkennen, dass es das Gewölle eines Uhus zeigt (wir haben Uhus in den Eukalyptusbäumen hinter dem Haus), das ich vor ein paar Tagen gefunden habe. Es ist ein tolles Exemplar, weil es eine Menge leicht erkennbarer Knochen enthält – könnt Ihr sagen, ob sie zu einem kleinen Vogel oder einem kleinen Nagetier gehören?

Selbst wenn nicht, hoffe ich, dass Euch das Folgende Freude macht …

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Dieser Auszug hat eigentlich nichts mit Tieren zu tun, abgesehen von den Täubchen auf Minnies Hut (wobei ein ausgewachsener Rennkuckuck eine Hammer-Hutdeko abgeben würde), sondern dient nur dem allgemeinen Interesse.

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Auszug aus OUTLANDER Buch 10, © 2026 Diana Gabaldon & Barbara Schnell

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„Tee bitte“, sagte Minnie zu der Frau, die in den Flur gehastet kam, den sie gerade durchquerte, am Arm die viel größere Gräfin. Wie ein Schlepper, der ein Handelsschiff in den Hafen lotst, dachte sie. „Heiß und mit viel Zucker, wenn Ihr welchen habt. Falls nicht, geht auch Honig. Oh – und wie ist Euer Name, bitte?“

„Moira O‘Meara“, sagte die Köchin – denn sie war eindeutig die Köchin; Rafe hatte sich in Bezug auf Ihre Schürze nicht geirrt. Ihr Gesicht war gerötet, trug aber einen argwöhnischen Ausdruck. „Ihr … äh …“

„Minerva, Herzogin von Pardloe“, sagte Minnie und neigte ihren Hut, so elegant es die Umstände erlaubten. „Diese junge Dame wird sich in den nächsten ein, zwei Minuten übergeben oder in Ohnmacht fallen. Gibt es in diesem Haus eine Ohnmachtscouch? Oder wenigstens eine verflixte Ottomane?“

Derart zur Eile getrieben, stellte sich Mrs. O‘Meara der Herausforderung und nahm den anderen Arm der Gräfin. Dann führte sie die Damentroika in ein kleines, aber wunderschön möbliertes Wohnzimmer, in welchem es – Gott sei Dank, die Frau wog so viel wie ein Fass Tabak, zumindest fühlte es sich so an – ein sehr elegantes Kanapee gab, das auf herrlich geschnitzten Elfenbeinfüßen stand und mit schwerem, goldbesticktem schwarzem Satin bezogen war.

Minnie sorgte sich um den Polsterstoff; die Gräfin würgte sacht, eine Hand vor ihrem Mund, aber es musste entweder die Couch sein oder der Fußboden, also manövrierte sie die Gräfin vorsichtig auf das Kanapee, drückte ihr ohne Umschweife den Kopf zwischen die Knie und sagte: „Nicht übergeben, zumindest nicht, ehe ich ein Handtuch gefunden habe. Bringt ein Handtuch!“, rief sie in Richtung der offenen Tür, durch welche Mrs. O‘Meara verschwunden war, mit etwas Glück, um Tee zu kochen.

Minnie blickte sich um, doch in dem Zimmer schien es nichts zu geben, was für ihren Zweck geeignet war, und mit einem Seufzer griff sie durch ihren Taschenschlitz, band einen ihrer Unterröcke los, zog ihn aus und drückte ihn der Gräfin – gerade rechtzeitig – unter das Kinn.

Danach wurde das Geschehen etwas chaotisch, doch eine Viertelstunde später befand sich Minnie im Besitz eines anständigen Teewagens, ausgestattet mit einer dampfenden Teekanne – sogar echt aus China! – mit Milch, Zucker, Honig und dazu gebuttertem Toast. Zwei kleine, abgedeckte Servierschüsseln kündeten diskret von der Anwesenheit frittierter Sardinen und gebratener Pilze. Die Gräfin fingmden Geruch auf und wurde grün.

„Ich würde ja liebend gern eine frittierte Sardine nehmen“, sagte Minnie liebenswürdig zu Mrs. O‘Meara. „Aber ich fürchte, diese junge Dame …“

„Der Herr behüte uns vor dem Bösen“, sagte die Köchin. Sie nahm mit einer Hand die Schüssel, bekreuzigte sich mit der anderen und trug die Sardinen des Anstoßes in die Küche zurück.

„O Gott.“ Minnie nahm einen Bissen Toast mit Honig und seufzte selig. „Ich habe den ganzen letzten Monat nur Biskuit und Porridge gegessen, ich schwöre. Habt Ihr schon gefrühstückt, meine Liebe?“

Amaranthus – der Name war Minnie endlich wieder eingefallen – schüttelte den Kopf. Sie sah elend aus.

„Ich konnte nicht“, sagte sie schwach. „Das –“ Sie winkte mit schlaffer Hand in Richtung der verbliebenen Servierschüssel. „Könntet Ihr …“

„Natürlich!“ Minnie sprang auf und nahm die Pilze – die erdig und saftig dufteten, aber leider welk aussahen und schleimig vor Butter –, brachte sie in den Flur und stellte sie auf den Empfangstisch zu einer Reihe von Visitenkarten, die sie kurz betrachtete, ehe sie in den Salon zurückkehrte.

„Ich kann wirklich nicht entspannt essen, wenn ich einen Hut, aufhabe – Ihr?“, fragte sie im Plauderton, zog die langen Nadeln aus ihrem modischen Chapeau und legte diesen auf den Teewagen. „Bitte verzeiht mein Aussehen; ich komme gerade von einem Schiff.“

Die junge Frau starrte die ausgestopften Täubchen auf dem Hut an und schluckte, sagte aber nichts. Minnie seufzte innerlich; sie würde dieses Gespräch offenbar selbst am Laufen halten müssen.

„Wie weit seid Ihr?“, fragte sie fröhlich und zeigte mit dem Rest ihrer Toastscheibe auf Amaranthus‘ Taille. „Ungefähr vier Monate?“

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