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Faith und die achte Staffel

Faith und die achte Staffel

Anfang 2025 zitierte der „TV Insider“ Matt Roberts mit den Worten, dass das Produktionsteam auf mich hört, wenn ich nein sage, und dass sie keine Szenen oder Handlungsstränge filmen, denen ich heftig widersprochen habe.

Darauf habe ich Folgendes erwidert, auch weil die meisten Menschen keine Ahnung vom TV-Geschäft haben (warum sollten sie auch?):

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Natürlich wird er in der Öffentlichkeit nicht sagen, dass sie meine Ratschläge (und Einwände) ignorieren, wenn es ihnen passt, obwohl sie das ganz offensichtlich tun.

Menschen, die im Showbusiness arbeiten, sind in der Regel sehr vorsichtig mit dem, was sie sagen, weil es äußerst wahrscheinlich ist, dass es in der Presse auftaucht (und das, was da auftaucht, nicht unbedingt das ist, was der oder die Zitierte tatsächlich gesagt hat. Manchmal werden Dinge paraphrasiert oder so zusammengekürzt, dass sie der eigentlichen Aussage sogar widersprechen).

Ich vermeide das möglichst auch. Erstens mag ich die Serienmacher, und ich glaube, dass sie meistens das tun, was sie für richtig (oder notwendig*) halten. Zweitens würde ich gern weiter mit ihnen zusammenarbeiten. Sie sind verpflichtet, mir ein Beratungshonorar zu zahlen; sie sind nicht verpflichtet, mir Drehbücher zu schicken oder mit mir zu sprechen, geschweige denn, mich hin und wieder eine Folge schreiben zu lassen.

Und drittens habe ich genug Erfahrung mit Medien, um zu wissen, wie sie funktionieren und wie sie nicht funktionieren.

Hier möchte ich anmerken, dass ich in den über dreißig Jahren, die man mich jetzt über meine Bücher interviewt, exakt drei Interviews gesehen habe, die komplett akkurat waren. (Ich werfe den Interviewern nicht vor, absichtlich Durcheinander zu stiften; oft sind es einfach Oberflächlichkeit und mangelnde Sorgfalt – wenn sie etwa die Universitäten, an denen ich meine Abschlüsse gemacht und gelehrt habe, verwechseln, weil es in Arizona drei Universitäten gibt, deren Namen alle die Wörter „University“ und „Arizona“ enthalten …)

Das ist ja eigentlich nichts Wichtiges; es zeigt nur, wie leicht es passiert, dass die gedruckte Version eines gesprochenen Interviews etwas anderes aussagt als das, was die Person tatsächlich gesagt (oder gemeint) hat. Davon abgesehen ist es für alle Beteiligten kontraproduktiv, wenn der Anschein entsteht, dass es ernsthafte Unstimmigkeiten unter den Menschen gibt, die an einer TV-Serie beteiligt sind. (Darum kommt es auch nur selten vor, dass Schauspieler, Regisseure oder Produzenten einer Serie schlecht übereinander sprechen, selbst wenn es tatsächlich Spannungen gibt. Was meistens nicht der Fall ist.)

Was Matt betrifft, wir verstehen uns super, das war von Anfang an so. Vor einiger Zeit habe ich das erweiterte Studio besucht und mich mit Matt, Maril und meinem Mann lange über einen ganzen Haufen Dinge unterhalten. Wir haben über Claires Eltern gesprochen (wobei mein Standpunkt war, dass sie tot sind, ich aber kein Problem damit hätte, wenn Matt in der Prequel-Serie von ihnen erzählen wollte – was er dann ja auch getan hat, und es hat super funktioniert; die Schauspieler sind toll!). Im Lauf dieser langen, weitschweifigen Unterhaltung haben wir über die Ereignisse in Buch Zehn gesprochen und was für Projekte ich sonst noch vorhätte, ganz gleich in wie ferner Zukunft (natürlich befindet sich das Prequel-Buch ganz oben auf meiner To-Do-Liste – und nein, Claires Eltern werden nicht darin vorkommen; sie sind tot. Sprecht mir nach: „Die Bücher sind die Bücher, und die Serie ist die Serie“.).

Die Rede kam auf Meister Raymond, und ich habe gesagt, dass ich a) Bruchstücke eines Buchs über Raymond habe, es aber auf Platz vier besagter To-Do-Liste ist, ich also Szenen schreibe, wenn sie mir einfallen, ich aber b) nicht regelmäßig an diesem Roman arbeite.

Da das kein offizielles Meeting war, sondern wir uns nur persönlich unterhalten haben, habe ich beiläufig erwähnt, dass ich einmal über eine zweite Graphic Novel nachgedacht hätte, und WENN ich dieses Projekt realisiert hätte (WAS NICHT PASSIERT IST UND AUCH NICHT PASSIEREN WIRD**), auch Meister Raymond darin vorgekommen wäre und die Frage, was er vielleicht getan haben könnte, nachdem er Claire im Hôpital besucht und ihr das Leben gerettet hatte.

Also. Ich arbeite so: Ich setze mich nicht hin und tippe eine detaillierte Abfolge von Dingen, die ich vielleicht in den nächsten zehn Jahren schreiben könnte. Ich schreibe keine Entwürfe, und ich schreibe nicht chronologisch. Mir kommen Ideen, und manche davon werden von Worten begleitet, und wenn das so ist, schreibe ich sie auf. Wenn nicht, aber die Ideen trotzdem interessant zu sein scheinen, behalte ich sie im Kopf – manchmal (meistens, wenn ich an etwas anderem arbeite) fällt mir eine davon wieder ein, und diesmal sehe ich eine Möglichkeit oder eine vage Verbindung mit etwas anderem.

Eins der Dinge, die mir beim Schreiben der Graphic Novel gefallen haben, war die Tatsache, dass es mir die Möglichkeit bot, Teile der Geschichte zu erzählen, die nicht in den Roman passten. Zu den Vorteilen eines visuellen Mediums gehört es, dass man aus mehreren Perspektiven gleichzeitig erzählen kann. Das geht in einem reinen Text normalerweise nicht. (Man kann es nacheinander machen, aber das hat nicht dieselbe Wirkung.)

Die Graphic Novel ist anders als der Roman nicht allein aus Claires Perspektive erzählt; sie beinhaltet auch Szenen aus Jamies, Murtaghs, Dougals oder Geillis‘ Perspektive. Daraus folgt, dass sie Szenen enthält, die in „Feuer und Stein“ nicht auftauchen oder die beschreiben, was andere Personen zu einem gewissen Zeitpunkt gemacht haben.

Das war interessant, und dadurch bin ich auf Meister Raymond gekommen. Wie schon erwähnt, habe ich vor, ein Buch über ihn zu schreiben. Es befindet sich zwar nicht ganz oben auf dem Stapel in meinem Kopf, aber mir kommen trotzdem Ideen, und ich verstaue sie in einem Winkel meines Hirns, aus dem sie hin und wieder hervorlugen wie vorwitzige Muränen. Und eine davon war der Gedanke, ob Raymond von uns ungesehen eingegriffen haben könnte, nachdem ihn die Nonnen hinausgeworfen hatten. Ich habe niemals ein Wort darüber geschrieben, und sehr wahrscheinlich werde ich das auch niemals tun. Über diese Gedanken werdet ihr im zehnten Buch nichts lesen, weil sie dort nicht hingehören. Falls ihr sie jemals seht (und sie sind ja noch nicht einmal zuende gedacht, es sind bis jetzt nur Keime), werden sie in Meister Raymonds eigener Geschichte stehen (sollte ich so lange leben …).

Aber das Fazit ist: Nein, Faith war und ist in den Outlander-Romanen nicht am Leben; sie wird es nicht sein, und weder Claire noch Jamie werden das jemals denken. William wird niemals Gewissensbisse haben, weil er unwissentlich Sex mit seiner Halb-Nichte hatte (obwohl es interessant ist zu sehen, wie viele Menschen diese Vorstellung gruselig finden – ich meine, was ist verkehrter daran, mit einer Prostituierten zu schlafen, die eine Verwandte ist, als mit einer, die es nicht ist, so lange dabei keine Kinder entstehen?).

Sprecht mir nach: Die Bücher sind die Bücher, und die Serie ist die Serie.

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* Es kommt nicht selten vor, dass die Macher der Serie unausweichliche physische Gründe dafür haben, etwas zu tun, was sie idealerweise gelassen hätten. Ich habe zum Beispiel viele Nachrichten von Menschen bekommen, die in der Nähe von Monmouth leben und beklagen, dass doch JEDER (inklusive der Geschichtsbücher) wisse, dass die Schlacht von Monmouth im Sommer stattfand und es ein bemerkenswert heißer Tag war, man aber einfach so beschlossen habe, die Schlacht IM WINTER zu drehen, zum Kuckuck, und wie konnte ich das nur „zulassen“?

Nun gibt es ja wie erwähnt keinen Grund, warum Fernsehzuschauer im Allgemeinen wissen sollten, welchen Mechanismen die Produktion einer Serie oder Sendung unterliegt – unter anderem dem Drehplan.

Normalerweise verläuft dieser Drehplan von der ersten Staffelfolge an chronologisch. Ein möglicher Grund, nicht chronologisch zu drehen, könnte es sein, wenn ein wichtiger Drehort in mehreren Folgen auftaucht – deshalb wurde zum Beispiel die ganze Produktion ein paar Monate nach Südafrika verlegt, um die „Karibik“-Teile der dritten Staffel zu drehen.

Die Schlacht von Monmouth ereignet sich am Ende der siebten Staffel. Sie drehen in Schottland. Das Ende der Staffel wird im Herbst gedreht; es ist häufig sehr kalt, nur selten heiß, und wenn, dann ist es unvorhersehbar. Es ist weder bezahlbar noch physisch möglich, eine ganze Schlacht so aussehen zu lassen, als stünden alle kurz vor einem Hitzschlag, und da die Hitze nichts mit den handelnden Figuren zu tun hat … ließen sie es einfach kalt sein. Sie mussten eben Prioritäten setzen.

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** Ich werde keine zweite Graphic Novel schreiben, weil es a) viel zu viele Dinge gibt, die ich lieber zuerst schreiben würde, und weil b) die erste zwar ganz gut war und mir Spaß gemacht hat, sie aber nicht besonders gut angekommen ist. Sie entstand zu einer Zeit, als Graphic Novels noch nicht die verbreitete Kunstform auch für erwachsene Leser waren, die sie heute sind. Es gab viel Feedback von Menschen, die das Buch gekauft haben und dann entgeistert feststellten, dass es „ein Comic“ war. (Obwohl ich darauf bestanden hatte, dass die Online-Leseprobe genug bebilderte Seiten enthielt.) Und noch mehr von Menschen, die noch entgeisterter waren, weil der Künstler nicht in ihre Köpfe geschaut und Jamie oder Claire so gezeichnet hatte, wie sie sie sich vorstellten. Nun ja …

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