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Claire Sermonne – Louise de Rohan

Claire Sermonne – Louise de Rohan

Claire Sermonne Louise de Rohan

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Abgesehen von dem Affen, mit dem sie unzertrennlich verbunden war, enthielt Louises Landhaus auch eine ganze Reihe von Ausstattungsgegenständen, die von zweifelhaftem Geschmack zeugten. In Paris musste sie sich an den Geschmack ihres Mannes und ihres Vaters halten, demzufolge waren die Räume des Hauses zwar durchaus prunkvoll, aber doch neutral dekoriert. Doch in das Landhaus kam Jules nur selten, da er in der Stadt zu viel zu tun hatte, und so hatte Louises Geschmack hier alle Freiheiten.
„Das ist mein neuestes Spielzeug; ist es nicht hübsch?“, gurrte sie und fuhr liebevoll mit der Hand über das dunkle Holz eines kleinen, geschnitzten Häuschens, das völlig unpassend neben einem Bronzeleuchter, der Eurydike darstellte, aus der Wand spross.
„Das sieht ja aus wie eine Kuckucksuhr“, sagte ich ungläubig.
„Du hast schon einmal eine gesehen? Ich hatte nicht gedacht, dass es in Paris noch eine gibt!“ Louise schmollte ein wenig bei der Vorstellung, dass ihr neues Spielzeug womöglich nicht einzigartig war, doch ihre Miene erhellte sich, als sie die Zeiger der Uhr auf die volle Stunde drehte. Sie trat zurück und strahlte vor Stolz, als der kleine geschnitzte Vogel den Kopf heraus steckte und mehrmals nacheinander schrill Kuckuck! rief.
„Ist das nicht süß?“ Sie fasste kurz an den Kopf des Vögelchens, als es wieder in seinem Versteck verschwand. „Berta, unsere Haushälterin, hat sie mir besorgt; ihr Bruder hat sie den ganzen Weg aus der Schweiz mitgebracht. Man kann ja über die Schweizer sagen, was man will, schnitzen können sie, oder?“
Ich hätte am liebsten nein gesagt, murmelte stattdessen aber etwas taktvoll Bewunderndes.
Louises Grashüpfergedanken sprangen hurtig zum nächsten Thema, vermutlich ausgelöst durch den Gedanken an Bedienstete aus der Schweiß.
„Weißt du, Claire“, sagte sie mit einem Hauch von Tadel, „du solltest wirklich morgens zur Messe in die Kapelle kommen.“
„Warum?“
Sie wies mit dem Kopf zur Tür, wo eins der Dienstmädchen mit einem Tablett vorüberging.
„Mir selbst ist es ja gleichgültig, aber die Dienstboten … hier auf dem Land sind sie so abergläubisch. Und einer der Hausdiener aus Paris war so töricht, der Köchin diese alberne Geschichte zu erzählen, dass du La Dame Blanche bist. Ich habe ihnen natürlich gesagt, dass das alles Unsinn ist, und gedroht, dass ich jeden entlassen werde, den ich dabei erwische, wie er solche Gerüchte verbreitet, aber … es könnte helfen, wenn du zur Messe kommst. Oder wenigstens hin und wieder laut betest, so dass sie dich hören können.“

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