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Buch neun wünscht (fast noch) frohe Ostern ...

„Leg dich hin“, sagte ich entschlossen und zeigte auf meinen Schoß.
„Nein, es geht gleich wie--“
„Es ist mir egal, ob es geht oder nicht“, sagte ich. „Ich habe gesagt, leg dich hin.“
„Ich muss noch arbei--“
„Du fällst gleich auf die Nase“, sagte ich. „Leg. Dich. Hin.“
Er öffnete den Mund, doch ein schmerzhafter Krampf zwang ihn, die Augen zu schließen, und er fand keine Worte, um mir zu widersprechen. Er schluckte, öffnete die Augen und setzte sich ganz vorsichtig neben mich. Er atmete langsam und flach, als würde es alles verschlimmern, wenn er tief Luft holte.
Ich stand auf und drehte ihn sanft zur Seite, um an seinen Zopf zu gelangen. Ich löste sein Haarband und entflocht die dichten Strähnen aus kastanienfarbigem Haar. Es war immer noch zum Großteil rot, obwohl sich das Licht hier und da sanft in weißen Fäden fing.
„Hinlegen“, wiederholte ich. Ich setzte mich und zog seine Schultern auf mich zu. Er stöhnte zwar leise, hörte aber auf, Widerstand zu leisten, und ließ sich ganz langsam nieder, bis sein Kopf schwer in meinem Schoß lag. Ich berührte sein Gesicht, meine Finger senkten sich federleicht auf seine Haut und zeichneten die Knochen und Mulden nach, Schläfen und Augenhöhlen, Wangenknochen und Kiefer. Dann ließ ich meine Finger in die weiche Masse seines Haars gleiten, warm in meinen Händen, und tat dasselbe mit seiner Kopfhaut. Vorsichtig atmete er aus, und ich spürte, wie sich sein Körper löste und schwerer wurde, als er sich entspannte.
„Wo tut es weh?“, murmelte ich, während ich meine Daumen ganz leicht auf seinen Schläfen kreisen ließ. „Hier?“
„Aye ... aber ...“ Er hob Er hob blicklos die Hand und legte sie über sein rechtes Auge. „Es fühlt sich an, als hätte man mir einen Pfeil direkt ins Hirn geschossen.“
„Mmm.“ Mein Daumen fuhr mit sanftem Druck rings um den knochigen Rand seiner Augenhöhle, während ich die andere Hand unter seinen Kopf gleiten ließ, um die Unterkante seines Schädels zu ertasten. Ich konnte spüren, wie verknotet die Muskeln dort waren, hart wie Walnüsse unter der Haut. „Also dann.“
Ich zog meine Hände fort, und er atmete aus.
„Es wird nicht weh tun“, beruhigte ich ihn und griff nach dem Gefäß mit der blauen Salbe.
„Es tut doch schon weh“, sagte er und kniff die Augen fest zu, als ihn ein neuer Krampf packte.
„Ich weiß.“ Ich öffnete das Töpfchen, ließ es aber stehen, und der scharfe Duft nach Minze, Kampher und grünen Pfefferkörnern durchzog die Luft.
Er gab keine Antwort, sondern machte es sich bequem, während ich begann, ihm die Salbe sacht in den Hals, die Schädelbasis, die Haut an Stirn und Schläfen einzumassieren. Ich konnte die Salbe nicht in der Nähe seines Auges verwenden, tupfte ihm aber etwas unter die Nase, und er holte tief und langsam Luft. Sobald ich fertig war, würde ich ihm einen kühlen Umschlag für das Auge machen. Erst einmal jedoch …
„Weißt du noch“, sagte ich mit gesenkter, leiser Stimme. „Wie du mir einmal von deinem Besuch bei Bird Who Sings in the Morning erzählt hast? Und wie seine Mutter gekommen ist und dir das Haar gekämmt hat?“
„Aye“, sagte er nach kurzem Zögern. „Sie hat gesagt … sie kämmt mir die Schlangen aus dem Haar.“ Er zögerte wieder. „Und … so war es.“
Er wusste es in der Tat noch – und ich wusste noch, was er mir davon erzählt hatte. Wie sie ihm sanft das Haar gekämmt hatte, wieder und wieder, während er ihr – in einer Sprache, die sie nicht verstand – erzählt hatte, was ihm das Herz schwer machte. Schuld, Erschütterung … und die vergessenen Gesichter der Männer, die er getötet hatte.
Es gibt eine Stelle, dort, wo der Jochbogen auf den Oberkiefer trifft, wo die Nerven oft gereizt und empfindlich sind … ja, genau hier. Ich drückte meinen Daumen sanft in die Stelle, und er keuchte auf und erstarrte ein wenig. Ich legte ihm die andere Hand auf die Schulter.
„Schsch. Atme.“
Er atmete mit einem leisen Stöhnlaut aus, doch er atmete. Ich verharrte auf der Stelle, drückte fester zu, bewegte den Daumen ein kleines bisschen, und nach einigen langen Sekunden spürte ich, wie sich die Stelle erwärmte und unter meiner Berührung zu schmelzen schien. Er spürte es auch, und sein Körper entspannte sich wieder.
„Lass mich das für dich tun“, sagte ich leise. Der Holzkamm, den er mir geschnitzt hatte, lag neben dem Salbentöpfchen auf dem kleinen Tisch. Ich ließ eine Hand auf seiner Schulter liegen und griff mit der anderen danach.
„Ich … nein, ich möchte nicht ...“ Doch ich bewegte den Kamm bereits sanft durch sein Haar, ließ ihm die Holzzähne leicht über die Haut gleiten. Wieder und wieder, ganz langsam.
Lange Zeit sagte ich nichts. Er atmete. Das Licht stand jetzt tief, gefärbt wie wilder Honig, und er war warm in meinen Händen, ein schweres Gewicht auf meinem Schoß.
„Erzähle es mir“, sagte ich schließlich zu ihm, flüsternd, nicht lauter als der Luftzug am offenen Fenster. „Ich muss es nicht wissen, aber du musst es mir erzählen. Sag es auf Gälisch oder Italienisch – irgendeine Sprache, die ich nicht verstehe, wenn das besser ist. Aber sag es.“
Er atmete ein wenig schneller, und er spannte sich an, doch ich kämmte ihn weiter, mit langen, gleichmäßigen Bewegungen, die ihm über den Kopf glitten und mir sein entwirrtes Haar als seidige, glänzende Masse über den Oberschenkel breiteten. Nach einem Moment öffnete er die Augen, dunkel, sein Blick ein wenig verschwommen.
„Sassenach?“, sagte er leise.
„Mm?“
„Ich glaube, ich kenne keine Sprache, die du nicht verstehen würdest.“
Wieder atmete er, schloss die Augen und begann stockend zu sprechen, seine Stimme so leise wie der Schlag meines Herzens.


© 2017 Diana Gabaldon & Barbara Schnell. Bitte achtet das Urheberrecht und verlinkt auf diesen Beitrag, aber kopiert ihn nicht.