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Happy Birthday, Claire!

„... die Nacht, in der wir Faith gemacht haben.“
Ich hob überrascht den Kopf.
„Du weißt, wann sie gezeugt wurde? Nicht einmal ich weiß das.“
Langsam fuhr er mir mit der Hand über den Rücken, und seine Finger hielten inne und beschrieben Kreise in meinem Kreuz. Wäre ich eine Katze gewesen, hätte ich sanft mit dem Schwanz unter seiner Nase gewedelt.
„Aye, nun ja, ich könnte mich auch irren, aber ich habe immer gedacht, es war die Nacht, in der ich im Kloster in dein Bett gekommen bin.“
Einen Moment lang tastete ich in meinen Erinnerungen umher. Diese Zeit im Kloster Ste. Anne, in der er dem selbst gewählten Tod so nah gekommen war, war eine Zeit, an die ich nur selten zurückdachte. Es war eine erschütternde Zeit der Angst und Verwirrung gewesen, der Verzweiflung und der Hoffnungslosigkeit. Und doch – wenn ich den Blick zurückwandte, fand ich eine Handvoll lebhafter Bilder, die wie die glänzenden Buchstaben einer antiken lateinischen Textseite aufleuchteten.
Vater Anselms Gesicht, bleich im Kerzenlicht, seine Augen voll Wärme und Mitgefühl und dann das zunehmende Leuchten des Staunens, als er meine Beichte hörte. Die Hände des Abtes, die Jamies Stirn berührten, seine Augen, Lippen und Handflächen, sacht wie die Berührung eines Kolibris, als er seinen sterbenden Neffen mit dem Heiligen Chrisam der Letzten Ölung salbte. Die Stille der dunklen Kapelle, wo ich um sein Leben gebetet und eine Antwort auf mein Gebet bekommen hatte.
Und unter diesen Momenten war auch die Nacht, in der ich aus dem Schlaf erwacht war und er neben meinem Bett gestanden hatte, ein bleicher Geist, nackt und frierend, so schwach, dass er kaum laufen konnte, doch wieder mit Leben erfüllt und mit einer Entschlossenheit, die nie mehr von ihm weichen würde.
„Dann erinnerst du dich an sie?“ Meine Hand lag leicht auf meinem Bauch, während ich mich zurückbesann. Er hatte sie nie gesehen oder mehr von ihr gespürt als zufällige Tritte und Schubser aus meinem Inneren.
Er küsste mich kurz auf die Stirn, dann sah er mich an.
„Das weißt du doch. Nicht wahr?“
„Ja. Ich wollte nur, dass du mir mehr erzählst.“
„Oh, das habe ich auch vor.“ Er stützte sich auf seinen Ellbogen und zog mich an sich, so dass sein Plaid mich mit bedeckte.
„Weißt du das auch noch?“, fragte ich und zog an dem Stoffzipfel, den er über mich gelegt hatte. „Wie du dein Plaid mit mir geteilt hast, in der Nacht, als wir uns begegnet sind?“
„Damit du nicht erfrierst? Aye.“ Er küsste meinen Nacken. „Im Kloster war ich es, der dem Erfrieren nah war. Ich war erschöpft von meinen Gehversuchen, und du hast mir ja nichts zu essen gegeben, also war ich kurz vor dem Verhungern, und ...“
„Oh, du weißt genau, dass das nicht stimmt! Du ...“
„Würde ich dich anlügen, Sassenach?“
„Ja, genau das würdest du“, sagte ich. „Du lügst mich ständig an. Aber das spielt jetzt keine Rolle. Du warst fast verhungert und erfroren, und plötzlich hast du beschlossen, statt Bruder Roger um eine Decke oder eine heiße Suppe zu bitten, lieber nackt durch einen dunklen Steinkorridor zu wanken und zu mir ins Bett zu kommen.“
„Es gibt Dinge, die wichtiger sind als Essen, Sassenach.“ Seine Hand legte sich fest um meinen Hintern. „Und herauszufinden, ob ich je wieder mit dir ins Bett konnte, war in diesem Moment wichtiger als alles andere. Ich habe gedacht, wenn ich es nicht könnte, würde ich einfach wieder in den Schnee hinaus gehen und nicht zurückkommen.“
„Natürlich ist es dir nicht in den Sinn gekommen, noch ein paar Wochen zu warten und erst wieder  Kräfte zu sammeln.“
„Nun ja, ich war mir einigermaßen sicher, dass ich so weit gehen konnte, wenn ich mit an den Wänden abstütze, und den Rest würde ich ja im Liegen tun. Warum also warten?“ Die Hand an meinem Hintern streichelte mich jetzt geistesabwesend. „Du erinnerst dich also doch daran.“
„Es war, als würde man mit einem Eisklotz schlafen.“ Ja, so war es gewesen. Außerdem hatte es mir das Herz zerrissen vor Zärtlichkeit und mich mit unerwarteter Hoffnung erfüllt. „Aber nach einer Weile bist du ja ein wenig aufgetaut.“
Zunächst nur ein wenig. Ich hatte ihn einfach nur an mich gedrückt und mir alle Mühe gegeben, Körperwärme zu erzeugen. Ich hatte mir das Hemd ausgezogen, um so viel Hautkontakt wie möglich herzustellen. Ich erinnerte mich noch an die hartte, scharfe Rundung seines Hüftknochens, die Wölbungen seiner Wirbelsäule und die geschwollenen frischen Narben, die sich darüber zogen.
„Du warst kaum mehr als Haut und Knochen.“
Jetzt drehte ich mich um, zog ihn neben mir zu Boden und drückte ihn an mich, um mich mit der Wärme seiner Gegenwart gegen die Kälte der Erinnerung zu wappnen. Er war warm. Und lebendig. Sehr lebendig.
„Du hast dein Bein über mich gelegt, um zu verhindern, dass ich aus dem Bett falle, das weiß ich noch.“ Er strich mir langsam über das Bein, und ich konnte das Lächeln in seiner Stimme hören, obwohl sein Gesicht dunkel war vor dem Feuer in seinem Rücken, das in seinem Haar Funken schlug.
„Es war ein schmales Bett.“ So war es gewesen – eine schmale Mönchsliege, kaum groß genug für eine normale Person. Und er beanspruchte selbst in seinem ausgehungerten Zustand noch eine Menge Platz.
„Ich hätte dich gern auf den Rücken gedreht, Sassenach, aber ich hatte Angst, ich würde uns beide auf den Boden befördern, und … nun ja, ich war mir nicht sicher, ob ich mich aufstützen konnte.“ Er hatte ohnehin schon vor Kälte und Schwäche gezittert. Doch jetzt, so begriff ich, vermutlich auch noch vor Angst. Ich nahm die Hand, die auf meiner Hüfte lag, und hob sie an meinen Mund, um seine Fingerknöchel zu küssen. Seine Finger waren kalt von der Abendluft und legten sich fest um die Wärme der meinen.
„Du hast es geschafft“, sagte ich leise. Ich drehte mich auf den Rücken und nahm ihn mit.
„Gerade eben“, murmelte er und suchte sich den Weg durch die Lagen aus Decke, Plaid, Hemd und Chemise. Er stieß einen langen Atemzug aus, und ich tat es ihm nach. „O Jesus, Sassenach.“
Er bewegte sich ein winziges bisschen.
„Wie es sich angefühlt hat“, flüsterte er. „Damals. Zu denken, ich würde dich nie wieder haben, und dann ...“
Er hatte es geschafft, und zwar tatsächlich gerade eben.
„Ich habe gedacht – ich würde es tun, und wenn es das letzte war, was ich jemals tat ...“
„Das wäre es ja auch fast gewesen“, erwiderte ich flüsternd und legte die Hände um sein Gesäß, fest und rund. „Einen Moment habe ich tatsächlich gedacht, du wärst gestorben, bis du angefangen hast, dich zu bewegen.“
„Dachte auch, ich würde sterben“, sagte er mit dem Hauch eines Lachens. „O Gott, Claire ...“ Er hielt einen Moment inne, senkte sich auf mich und presste die Stirn gegen die meine. So hatte er es auch in jener Nacht gemacht, eiskalt, mit verzweifelter Leidenschaft, und ich hatte mich gefühlt, als hauchte ich ihm mein eigenes Leben ein. Sein Mund war sanft und offen und roch ganz schwach nach dem mit Ei vermischten Ale, das er als einziges bei sich behalten konnte.
„Ich wollte ...“, flüsterte er. „Ich wollte dich. Musste dich haben. Aber als ich erst in dir war, wollte ich ...“
Er seufzte tief und bewegte sich tiefer hinein.
„Ich habe gedacht, ich würde auf der Stelle daran sterben. Und das wollte ich auch. Wollte gehen, während ich in dir war.“ Seine Stimme hatte sich verändert, immer noch leise, aber irgendwie fern, abwesend – und ich wusste, dass er sich von der Gegenwart gelöst hatte und in die kalte steinerne Dunkelheit zurückgekehrt war, zurück zu Panik, Angst und überwältigendem Verlangen.
„Ich wollte mich in dich ergießen, und das sollte das letzte sein, was ich erlebe, doch dann habe ich angefangen, und ich wusste, dass es nicht so sein sollte – aber dass ich dir etwas für immer geben würde. Dass ich dir ein Kind schenkte.“
Während er das sagte, war er zurückgekehrt, zurück ins Hier und Jetzt und zurück in mich. Ich hielt ihn fest, groß und real und stark in meinen Armen, und hilflos zitternd gab er sich auf. Ich spürte warme Tränen aufquellen und kalt in mein Haar hinunter laufen.
Nach einer Weile regte er sich und rollte sich von mir hinunter auf die Seite. Eine große Hand lag immer noch leicht auf meinem Bauch.
„Ich habe es geschafft, aye?“, sagte er und lächelte ein wenig. Der Schein des Feuers fiel sanft auf sein Gesicht.
„Das hast du“, sagte ich. Ich zog das Plaid wieder über uns und lag zusammen mit ihm zufrieden im Licht der sterbenden Flamme und der ewigen Sterne.


© Diana Gabaldon & Barbara Schnell. Bitte verlinkt auf diesen Beitrag, aber kopiert ihn nicht!