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Heute vor zwanzig Jahren ...

Barbara Schnell hat diesen Text gestern Abend unter ihren Papieren gefunden und vorgeschlagen, ihn auf meiner deutschen Website zu posten – und dass ich das vielleicht auch tue.
Es ist eine kurze Nachricht an einen Freund bei CompuServe (im „Literary Forum“, meiner ersten elektronischen „Stammkneipe“ – es gibt uns noch, heute aber als „Books and Writers Community“), die ich heute vor zwanzig Jahren geschrieben habe – die aber auch heute noch etwas Relevantes über das Schreiben und über Zuversicht zu sagen hat. Viel Spaß damit!


#: 188489 S8/Research & craft


16-Jan-96 18:19:08


Sb: #188359-#Know Thy Characters
Fm: Diana Gabaldon/SL8 76530,523
To: Alex Keegan 100555,1651 (X)


Lieber Alex--


hast Du INDIANA JONES UND DER LETZTE KREUZZUG gesehen (hieß er so? So ähnlich, jedenfalls der dritte)? Es ist nicht der beste Film der Reihe, aber gegen Ende gibt es diese Szene, in der der Held versuchen muss, eine unüberwindlich tiefe Schlucht zu überqueren. Die Verfolger sind ihm dicht auf den Fersen; Menschenleben hängen von ihm ab und so weiter, er muss hinüber – und man hat ihm gesagt, wenn er vertrauensvoll voranschreitet, wird er es schaffen. Aber er weiß nicht, wie, er sieht nichts, was nach einer Brücke aussieht. Die Verfolger rücken näher.
Schließlich holt er tief Luft, hebt den Fuß ins Leere und macht den ersten Schritt. Und man höre und staune, da ist eine Brücke, eine unsichtbare Brücke, die unter seinen Füßen zu glitzern beginnt und Gestalt annimmt.
Ich habe schon oft gedacht, dass es genau so ist. Man setzt sich hin, um zu schreiben, und man möchte so gern sehen, dass die Brücke da ist, ehe man einen Schritt macht. Manchmal ist sie da, und man sieht sie. Aber manchmal ist sie nicht da, und man muss es trotzdem tun – den Schritt ins Leere wagen.


--Diana