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Slainte mhath, Ed ...

Bitte stoßen Sie doch mit mir auf meinen Freund Edwin Slipher an. Ich habe Ed in der Junior High in Flagstaff kennengelernt, wo wir beide aufgewachsen sind; er hat mir manchmal die Bücher nach Hause getragen (das war zwar damals schon altmodisch, aber sehr charmant).
An der Vorderseite der Schule verlief eine lange, niedrige Mauer mit einer Zementkrone, etwas über einen halben Meter breit. Die Jungen sind immer über die Mauerkrone gelaufen (wir Mädchen eher nicht, weil wir Röcke tragen mussten), und ich denke immer daran, wie Ed neben mir über die Mauer gelaufen ist und durch seine große, schwarz geränderte Brille auf mich herunter gelächelt hat.
Heute Nachmittag habe ich eine kurze E-Mail vin einer Highschoolfreundin bekommen, die mir schrieb, dass Ed gestern Nachmittag gestorben ist. Ich hatte ihn seit der Highschool nicht mehr gesehen, aber ich hatte gewusst, dass er schwer krank war, deshalb war ich nicht überrascht.
Was ein bisschen merkwürdig war (aber eigentlich auch nicht überraschend; das sind diese Dinge nie), war, dass ich gestern in Flagstaff war (war für ein paar Tage hingefahren, um mich hinzusetzen und zu schreiben) und ich auf dem Heimweg vom Einkaufen an der Highschool vorbei gegangen bin, um ein Gebet für Ed zu sprechen; das Gebäude der Jr. High steht schon lange nicht mehr, aber die Mauer ist noch da.
Also bin ich dort an der Ecke stehen geblieben und habe meine Hände auf die Mauer gelegt. Ich konnte sehen, wie sie sich wie ein Weg von mir entfernte, sich mit dem Gelände ein wenig senkte und am anderen Ende wieder anstieg. Es dämmerte, der Himmel war schieferblau, die Bäume schon schwarz, und die ersten Sterne leuchteten. Es fühlte sich so friedlich an. Keine schlechte Art, sich zu verabschieden.


Slainte mhath, Ed!