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Noch 4 Tage / Daily Lines

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Dies war ein richtiges Moor, nicht der matschige Lehm oder der aufgeweichte Boden, aus dem ganz Irland zu bestehen schien. Eine baumlose, graugrüne, unebene Landschaft, die sich eine gute halbe Meine vor ihnen ausstreckte bis hin zu einem kleinen Felsenhügel, auf dem sich eine verkrüppelte Kiefer wie ein Fähnchen im Wind wiegte. Denn kaum hatten sie den Schutz der Bäume verlassen, als sich der Wind erhob, der ihnen in den Ohren sang, die Enden von Vater Michaels Stola flattern ließ und an ihren Rockschößen zerrte.
Vater Michael winkte ihm zu, und als er ihm folgte, fand er einen hölzernen Pfad, der halb zwischen den mooserstickten Grasbüscheln eingesunken war, die zwischen den Tausenden kleiner Kanäle und Teiche wuchsen.
„Ich weiß nicht, wer diese Pfade einmal angelegt hat“, sagte der Abt, während seine Sandale die dünnen Planken betrat. „Sie sind schon seit Menschengedenken hier. Aber wir halten sie in Ordnung; sie sind der einzige sichere Weg über das Moor.“
Jamie nickte; die Planken gaben zwar sacht nach, als er darauf trat, und durch die Ritzen sickerte Wasser empor. Doch sie trugen sein Gewicht, auch wenn seine Schritte den Sumpf am Rand des Pfades erbeben ließen und ihm die Fühler des Mooses neugierig entgegen zitterten
„Dem Alten Volk war die Zahl drei heilig, genau wie uns.“ Vater Michaels halb gerufene Worte wehten mit dem Wind zu ihm zurück. „Sie hatten drei Gottheiten – den Gott des Donners, den sie Taranis nannten. Dann Esus, den Gott der Unterwelt – allerdings war für sie die Unterwelt nicht dasselbe wie für uns die Hölle, aber es war auf jeden Fall kein angenehmer Ort.“
„Und die dritte Gottheit?“ Jamie umklammerte immer noch das Taschentuch des Abtes. Er wischte sich die Nase damit ab, die vom kalten Wind zu laufen begonnen hatte.
„Ah, das wäre dann ...“ Der Abt blieb nicht stehen, doch er tippte sich kräftig mit den Fingern gegen den Kopf, um seinen Gedanken nachzuhelfen. „Wer in aller Welt ... oh, natürlich. Die dritte Gottheit ist der jeweilige Stammesgott, es gibt also viele verschiedene Namen dafür.“
„Oh, aye.“ Erzählte ihm der Abt das nur zum Zeitvertreib?, fragte er sich. Offensichtlich unternahmen sie diesen Spaziergang nicht ihrer Gesundheit wegen, und er wusste nur einen Grund, warum sie einen Sumpf überqueren sollten.  


("Die Fackeln der Freiheit", copyright Diana Gabaldon & Barbara Schnell)