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Loch Ness, nackter Mann

Ich weiß auch nicht, warum _ich_ nie nackte Männer aus dem Wasser steigen sehe. Wahrscheinlich sehe ich nie im richtigen Moment hin.
Am 19. haben Doug und ich im Castle Stuart (das man irgendwie sehen muss, um es zu glauben) zu Abend gegessen, gemeinsam mit Alastair Cunningham und seiner munteren Australiertruppe, die samt und sonders hingesehen _hatten_, als sie irgendwann im Lauf des Tages Halt machten, um nach Nessie Ausschau zu halten, und stattdessen sahen, wie ein Herr aus der Gegend aus dem Wasser steig -- „in voller Glorie“, wie eine Dame es formulierte. „Ich konnte es gar nicht glauben; er war nur _so_ lang!“ (wobei sie die Finger fünf Zentimeter auseinanderhielt). Nun ja, Loch Ness _ist_   schließlich ziemlich kalt.
Der einzige Nachteil, den Castle Stuart hat, ist seine Internetverbindung; da die Burg im Jahr 1625 gebaut wurde, ist sie auch für moderne Verkabelungen ziemlich undurchdringlich (obwohl sie es irgendwie geschafft haben, ferngesteuerte Kaminfeuer zu installieren. Ehrlich – man zeigt mit einem kleinen Gerät auf den Kamin, und puff! Feuer. Man drückt auf den Knopf, und es wird größer, den anderen, und es wird kleiner. Nochmal klick und puff! Es geht aus.)
Nach unserem Aufbruch aus Castle Stuart haben wir gemeinsam mit dem Fremdenführer Hugh Allison (den ich vor Jahren kennengernt habe, als er noch im Besucherzentrum in Culloden arbeitete) eine viertägige Rundreise im Norden und Westen Schottlands unternommen, einer Gegend, in der ich noch nie gewesen bin. Und _was_ für eine Gegend!
Orkney zum Beispiel. Wir sind vom Festland aus mit der Fähre gefahren, vorbei an der Insel Stroma – deren gesamte Bevölkerung in den sechziger Jahren emigriert ist und ihre Häuser leer zurückgelassen hat. Ein gespenstischer Ort, der allerdings voller Papageientaucher ist, die um die Insel herumwirbelten wie ein Hurrikan fischfressender Herbstblätter – Tausende davon flogen so dicht um die Fähre herum, dass man ihre erstaunlichen Schnäbel sehen konnte.
Ich werden Ihnen noch mehr über die faszinierenden Dinge erzählen, die wir gesehen haben – Skara Brae, der Ring von Brodgar, Maeshowe etc. -- aber jetzt ist es mitten der Nacht im Culloden House und wir fahren morgen früh nach Edinburgh (mit einer Pause, um uns das Schlachtfeld von Sheriffsmuir anzusehen).